15. Juni 2010 – 07:53
Lange Zeit waren Psychologen und Kinderärzte davon überzeugt, dass Kinder sich nicht konzentrieren können. Maria Montessori allerdings stellte 1907 ein Phänomen fest, das sie die Polarisation der Aufmerksamkeit nannte.
Polarisation der Aufmerksamkeit bedeutet, dass Kinder sich für eine längere Zeit stark auf eine einzige Tätigkeit konzentrieren, ohne sich von Umwelteinflüssen ablenken zu lassen. Beim weiteren Beobachten des Phänomens stellte Maria Montessori fest, dass die Polarisation der Aufmerksamkeit bei jedem Kind zu beobachten ist und keinen Einzelfall darstellte. Damit war die vorherrschende Meinung, Kinder wären zu wirklicher Konzentration nicht fähig, falsch. Des Weiteren konnte sie feststellen, dass sich der Prozess, der zu der tiefen Konzentration führt, in drei Phasen teilen lässt, die immer auftreten. In der ersten Phase suchen sich Kinder ein Spiel aus. Wichtig ist, dass den Kindern verschiedene Möglichkeiten angeboten werden, sie aber nicht gedrängt werden, sich für ein bestimmtes zu entscheiden. Fundamental für den Erfolg der Polarisation der Aufmerksamkeit ist die Freiwilligkeit, mit der alles geschieht. In der zweiten Phase, nachdem das Kind sich für ein Material entschieden hat, ist es stark konzentriert. Jeder Versuch der Ablenkung sollte auch vom Kind ferngehalten werden, auch wenn es sich normalerweise nicht stören lässt. Das Kind entscheidet selbstständig, wann es fertig ist. Durch das Wegbringen des genutzten Materials wird der Lernprozess abgeschlossen. Beobachtungen zeigen, dass Kinder danach gelöst und locker wirken.
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